Im Oeuvre Robert Nodaris bildnerischen Schaffens nimmt das Thema des Stilllebens insoferne eine wichtige Rolle ein, da es sich hier am besten zeigt, wie er experimentell seine Entwicklung und die Suche nach einem eigenen unverwechselbaren  persönlichen Stil erarbeitet. Die frühen „klassischen“ Stillleben mit Flaschen, Äpfeln, Gläsern, gehören noch zu den Tendenzen des Stilbegriffs der „Sachlichkeit“ in der typisch kühlen, um Plastizität bemühten Vortragsweise (wohl auch unter akademischem Einfluss entstanden).

Nodari war ein sehr aufgeschlossener, gebildeter und an der Entwicklung der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts Interessierter. Dies zeigen die Versuche sich mit dem Vokabular des Kubismus auseinanderzusetzen. Allerdings war die Persönlichkeit eines Cezanne für den sensiblen Künstler von größter Bedeutung. Dem Gegenstand verpflichtet werden seine Arbeiten zunehmend im Stil des Fauvismus vorgetragen, was Farbigkeit und Spontaneität betrifft; es kommt zu einer impressionistischen Stimmung, vorgeführt in durchaus fauvistischer Auffassung.

Über den klassischen Begriff des Stilllebens hinaus nimmt Nodari neben dem Schwerpunkt der Landschaft in Pleine Air - Malerei eine Fokussierung seines Blickes vor, zu einer partiellen Nahsicht in seiner Naturbeobachtung als erweitertes Stillleben. Hier wird das Detail in einer bisweilen expressiv abstrakten Auffassung bis zum Informellen vorangetrieben. Sein Blick konzentriert sich auf wenige Steine, Baumstämme, Blumen, die mit ihrem Hintergrund verschmelzen; bisweilen in farblicher Ekstase (Nolde-Einfluss), aber eine stimmungsgeladene Düsternis zeigen.

Nodaris Vortragsweise ergibt eine zunehmende Verflachung des Räumlichen. Farbflächen werden signifikant zu parallel angeordneten dünnen oder pastosen Strichmustern; Pinselstriche wie Schraffuren eingesetzt – sein persönlicher und charakteristischer Stil entsteht. Ein zeichnerisches Moment der Pinselführung und des Malvorgangs wird zunehmend dominierend und ergibt eine innere, fast nervöse Vitalität, der Farbauftrag einen enorm lebendigen Ausdruck.

Nodaris künstlerisches Schaffen ist im Sinne einer Fortführung einer Epoche, die von der Natur und ihrer Erscheinung ausgeht, wahrzunehmen. Er hat als „Nachzügler“ aber auch künstlerische Strömungen aufgenommen und zu einem Spätstil voll eigenständiger Überzeugung gefunden.

Ich habe ihn wegen seiner überzeugenden Haltung und Ehrlichkeit schätzen gelernt und er hat mich in vielen Gesprächen auf Grund seiner immer wieder hinterfragenden Art und Weise auf Wesentliches in der Malerei des 20. Jahrhunderts aufmerksam gemacht.

M.F., 18.8. und 5.9.2010