Nein - er war kein gewöhnlicher Wald- und Wiesenmaler, auch wenn er gut als ein solcher hätte durchgehen können, mit seinem Malrucksack, der Feldstaffelei und seinen weit gestreuten "Malplätzen", die immer auch Verstecke boten - für seine Ausrüstung, vielleicht auch dem Maler selbst? Er liebte die Einsamkeit, aber auch die Einfachheit dieser Malausflüge, die ihn oft genug alle Bedürfnisse - Essen, Trinken, Wetterschutz - und vielleicht auch Sorgen vergessen ließen. Robert Nodari war ein begeisterter "plein-air-Maler", der sich über Jahrzehnte seines Lebens Malziele erwandert hat, erwandern musste, weil er einen bestimmten Blickwinkel suchte. Die Tradition, in die er sich damit stellte, war ihm wertvolle Anregung - auch wenn er sich manchmal als letzter Mohikaner empfand. Natürlich löst die Durchsicht auch nur eines kleinen Teils von Roberts Baum-, Wald- oder generell Landschaftsbildern jede Menge Assoziationen aus, die von Böckl über Renoir bis zu Weiler reichen - als Vorbilder, Lehrmeister und Anstifter, oder einfach als "Zeitgenossen"? Mit dem einen verbindet ihn die Farbigkeit, an den zweiten erinnert die Hartnäckigkeit in Roberts Motivwahl, dem dritten kommt er in seinen eher seltenen abstrahierten Landschaften nahe.

Roberts Stärke lag gerade darin sich nie um kunsthistorische Grenzziehungen oder Verwandtschaften zu kümmern. Seine Berufung zum Maler erfolgte weit vor dem Weg zum Schillerplatz, zur akademischen Malerei. Ich war zeitlebens mit Robert Nodari befreundet, bin ihm auch zweimal Modell gesessen, hatte mehrfach Gelegenheit Roberts Bilder und Eindrücke von mir mit den eigenen zu vergleichen. Die Malgespräche im jeweiligen Atelier - umgeben von Bildern, Malzeug, Gerüchen und Musik - waren wesentliche Auseinandersetzungen, Teil meiner ästhetischen Bildung, haben mich Sehen gelehrt. Dass ich nur sehr wenig von "meinem" Robert begriffen habe, wird mir klar wenn ich mich mit seinem späten Glück, seiner Heimkehr ins Licht beschäftige - demjenigen südlich der Alpen, in der Heimat des Vaters. Die letzte Schaffensperiode war für Robert von einer neuen Freiheit geprägt, von Entfaltung seiner malerischen Möglichkeiten. Die neue Berufung zum Maler des Lichts ermöglicht ihm einen Schritt vorwärts, vielleicht zur Vollendung, die sich niemand hätte vorstellen können, er selbst zuletzt.

Für mich ist es spannend mein Portrait als Zwanzigjähriger daraufhin anzuschauen, was Robert in mich hinein gesehen hat und ich aus seinem Bild heraus lesen kann, wo er mich - aus der Distanz von 40 Jahren - trifft oder nicht. Da ist viel Erkennen und Erkenntnis in seinen Bildern - gerade auch in seinem "Selbstportrait als Baum", und ich erkenne mich zunehmend in seinen kleinen, quasi unbedeutenden Arbeiten. Über sein Grab hinweg zeigen sie mir wie nahe wir einander sind.

Heinrich Hoffer, Wien im Oktober 2011